Klaus - Er schraubt noch ... - Bilder folgen
Hallo Lutz, Überrascht feststellen muss ich allerdings, dass das Motorrad zwar selbst auf den zweiten Blick optisch sehr gut erhalten ist (z. B. der Chrom ist top und auch beulenfrei, Rahmen nicht verrostet, Tank innen kein Rost, keine Beulen etc. pp.), die Technik aber wohl in weiten Bereichen stark vernachlässigt wurde. So ging ich dann mal ganz ungezwungen ans Werk und erledigte die ersten Wartungsarbeiten. Als erstes wechselte ich die Bremsflüssigkeit, die nicht nur schwarz, sondern so richtig schlammig war. Das Getriebeöl war eine grünliche Brühe (so ähnlich sah das Differentialöl meines Opel Rekord Bj. 75 beim Wechsel aus...), die wohl seit Jahren (Jahrzehnten?) nicht gewechselt wurde. Aber es waren genau 800 ccm, hat also nichts gefehlt. Auffällig und für mich überraschend (da ich auch ein sehr "gemütlicher" Fahrer bin) war der hohe gemessene Benzinverbrauch von gut 7 Litern auf 100 km. Von da an hatte ich schon den Verdacht, dass die Vergaser wohl nicht mehr so in Ordnung sind. Selbst für einen Zweitakter sind 7 Liter bei gemütlicher Fahrt zuviel. Da auch die fraglichen Ansaugstutzen nicht original (also weder die offenen, noch die 17PS Version), sondern aus VW-Kühlwasserschlauch nachgebildet waren, entschloss ich mich rasch zu einer "Vergaserüberholung". Inzwischen bekam ich auch den Tipp, dass ein gewisser GT-Reiner (Reiner Schneider aus Mannheim) viele Ersatzteile für die GT's liefern könne. Von ihm besorgte ich mir erstmal die "richtigen" Ansaugstutzen, die 87,5er Hauptdüsen, einen neuen Luftfilterschaumstoff und eine Reparaturanleitung. Später dann auch die anderen Teile. Der Ausbau und die Zerlegung der Vergaser sorgte für weitere Überraschungen. Zunächst stellte ich fest, dass als Luftfilterschaumstoff irgend ein siffgetränktes Stück "Alternativmaterial" reingestopft war. Was hätte da passieren können (wenn ich Deinen Beitrag zum Aufbau der blauen lese...). Die Ansaugstutzen bestanden aus besagtem Kühlwasserschlauch und als Hauptdüsen waren 90er eingebaut (also weder die 27 PS (87,5), noch die 17 PS-Düsen (97,2)). Nach intensiver Reinigung (die Schwimmerkammern z. B. waren komplett mit so einem braunen, nach Benzin stinkenden Belag überzogen) baute ich alles mit etlichen Neuteilen wieder zusammen (Schwimmerkammerventile, Düsenstöcke, Düsennadeln, Leerlaufdüsen, Schieber) und fiel dabei auf die falsche Information bezüglich der Einstellung des Schwimmerstandes in der Reparaturanleitung herein und stellte diesen fehlerhafter Weise zu niedrig ein. Schieber korrekt synchronisiert, Ölpumpe eingestellt, sprang der Motor auch sofort an. Allerdings ließ sich der Leerlauf nicht vernünftig einstellen und die Leerlaufdrehzahl blieb auch oft "hängen" bzw. fiel nur sehr, sehr, langsam auf den eigentlich eingestellten Wert zurück. Als ich die Zylinder einzeln einstellen wollte, lief der rechte im Leerlauf gar nicht. Ursache dafür war wohl der zu niedrig eingestellte Schwimmerstand. Aufmerksam wurde ich auf die falsche Beschreibung der Reparaturanleitung durch einen Hinweis auf der Homepage des Wasserbüffelclubs. Also nochmal alles auseinander gebaut und die Schwimmer richtig eingestellt. Nebenbei dann gleich noch einen neuen Kettensatz mit O-Ring-Kette montiert. Und siehe da...jetzt lief sie einwandfrei. Leerlaufabgleich kein Problem. Leerlaufdrehzahl jetzt sauber bei etwa 1300 min-1. Schöne saubere Leistungsentfaltung ohne Rucken, auch nicht im Schiebebetrieb, schon ab 3000 min-1 sanft fahrbar, richtig "Druck" dann ab 6000 min-1. Beim Weiterbeschleunigen im 6. Gang habe ich dann auch schnell 130 km/h - aufrecht sitzend - erreicht, trotz meiner Körpermasse (110 kg - nackt...). Könnte also mit orgeln in niedrigeren Gängen vielleicht noch etwas mehr (ist aber nicht so meine Art). Bin richtig begeistert! Auch der erste gemessene Verbrauch lag bei 6 Liter - auch hier also eine Verbesserung. Bei Gelegenheit werde ich nochmal die Kompression prüfen lassen. Nach den ganzen Überraschungen auf der Technik-Seite bin ich mir nämlich gar nicht mehr so sicher, ob die Zylinder tatsächlich gehont und neue Kolben eingebaut wurden, oder ob dort auch rumgepfuscht wurde (nur neue Kolbenringe oder so...). Vielleicht gibt das Kompressionsdiagramm darüber mehr Aufschluss. Mechanisch läuft der Motor allerdings unauffällig. Was als nächstes noch anstünde (will jetzt aber erstmal ein bischen mit fahren) wäre der Austausch des Lenkkopflagers, da dieses, wenn auch leicht aber merklich, rastet. Hast Du mit dem Austausch Erfahrung? Es scheint ja ein offenes Lager zu sein, wo die Kugeln alle beim Zerlegen rausfallen. Kriegt man sowas wieder hin? Ist das an einem Wochenende zu machen? Wenn ich die Gabel dann schon zerlege, hätte ich natürlich auch das Gabelöl gewechselt. Macht die Umrüstung auf andere Gabelfedern Sinn bzw. gibts da überhaupt noch was? Dann will ich auch nochmal den Auspuff abbauen und Auslass, Krümmer und Tüten reinigen. Aber jetzt muss ich die Maschine erstmal blitz-blank wienern und mich um die Optimierung der Sitzbank kümmern. Dann mache ich Bilder und sende Dir diese auch zu. Bis dann und schöne Grüße Klaus
Erstzulassung : ??.??.???? |
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